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Sneaker in Pink oder Orange?
Reflexionen & Impulse Nr. 1 | Januar 2026
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Vor ein paar Jahren war ich mit meiner bezaubernden Nichte bummeln. In einem Schuhgeschäft entdeckte sie ihre Lieblings-Sneaker im Angebot. Zwei Farben standen zur Auswahl: Pink oder Orange.
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Sie war sofort Feuer und Flamme und fragte mich, welche Farbe sie nehmen solle. Weil ich weiß, wie schwer ihr Entscheidungen fallen, sagte ich: „Ich bezahle dir die Schuhe, wenn du selbst entscheidest.“
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Natürlich kam prompt der Protest: „Du weißt doch, dass ich mich so schlecht entscheiden kann!“
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„Ich setze mich draußen auf die Bank und warte, bis du es weißt“, antwortete ich ruhig. „Egal, wie lange es dauert.“
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Ein paar Minuten später kam sie strahlend zurück. „Jetzt weiß ich’s!“
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Wir gingen gemeinsam zur Kasse. Sie hatte sich für Pink entschieden und sah mich noch einmal fragend an – der letzte Versuch, mir doch noch eine Empfehlung zu entlocken. „Wenn es dir gefällt“, sagte ich und blieb standhaft.
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Kurz nachdem ich meine Kreditkarte an das Lesegerät gehalten hatte, ergänzte ich: „Gute Wahl - die hätte ich auch genommen.“
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„Aaaaah, warum hast du das nicht gleich gesagt?“, fragte sie.
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„Weil Entscheidungen zu treffen eine elementare Fähigkeit ist zur Gestaltung des eigenen Lebens.“
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Eine Tante zu haben, die Coach ist, ist wahrscheinlich manchmal ein bisschen anstrengend.
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Warum fällt es uns manchmal so schwer, eine Entscheidung zu treffen?
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Dafür gibt es viele gute Gründe. Und auch einige weniger gute. Zunächst lohnt es sich, zwischen Auswahl und Entscheidung zu unterscheiden – zwei Dinge, die wir im Alltag oft verwechseln.
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Bei einer Auswahl gibt es häufig ein „richtig“ und ein „falsch“. Schuhe in Größe 38 passen – Größe 37 eben nicht. Oder die Wahl ist schlicht egal: Ziehe ich das blaue Kleid an oder das rote? Soll das neue Auto schwarz oder anthrazit sein?
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Für Auswahlen haben wir genügend Informationen. Wir können Optionen vergleichen, Pro-und-Contra-Listen schreiben und das Ergebnis gedanklich durchspielen.
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Eine Entscheidung funktioniert anders. Sie ist immer eine Wette auf die Zukunft.
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In dem Moment, in dem wir uns entscheiden, ist diese Entscheidung richtig – sonst hätten wir ja anders entschieden. Erst im Rückblick zeigt sich manchmal ein leiser Zweifel: „Hätte ich doch …“
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Doch so funktioniert das Leben nicht. Oder, wie Søren Kierkegaard es formulierte: „Man kann das Leben nur rückwärts verstehen, aber muss es vorwärts leben.“
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Weil Entscheidungen immer mit Unsicherheit verbunden sind, versuchen viele Menschen, sie „downzugraden“ – sie behandeln Entscheidungen wie Auswahlen. Excel soll helfen. Tabellen, Rankings, Pro-und-Contra-Listen. Doch das ist unterkomplex. Entscheidungen lassen sich nicht berechnen.
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Gute Entscheidungen sind nicht die, die sich später als passend erweisen. Es sind die, mit deren Folgen wir leben wollen.
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Schlechte Entscheidungen werden rückblickend „zu teuer“. Die Währung dabei ist unterschiedlich: Geld, Zeit, Energie, Herzblut.
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Oft liegt die eigentliche Schwierigkeit nicht im „Ja“ zur besten Option – sondern im klaren „Nein“ zu allen anderen. Denn jede Entscheidung hat einen Preis.
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Ein neuer Job? Das „Ja“ bedeutet Abschied von einer vertrauten Umgebung und Menschen, die einem ans Herz gewachsen sind.
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Oder noch schwieriger: welchen Beruf soll ich wählen? Nach dem bestandenen Abitur fragte sich mein Sohn, wie er denn jetzt seine Berufung finden soll. Eine große Frage für einen 18-jähringen. Viel zu groß.
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Einige in seiner Altersgruppe haben ein paar Semester dies und jenes studiert, waren hier und dort Werkstudent – das „Richtige“ zeigte sich einfach nicht. Der amerikanische Psychologie Barry Schwartz nennt das „the paradox of chioce“. Darüber gibt es einen sehenswerten TEDtalk von ihm.
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Geblendet vom Überfluss der Möglichkeiten und aus Angst vor der (vermeidlichen) Endgültigkeit treffen manche Menschen einfach keine Entscheidung und gestalten ihr Leben durch Nicht-Entscheidungen. Man lässt sich treiben. Das Leben schiebt einen weiter. Irgendwohin.
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Sie verbringen ihr Leben im Hausflur, bis sich eine Tür nach der anderen schließt. Möglichkeiten haben endliche Zeitfenster.
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Wer das schmerzhafte Zögern und Hadern kennt, dem empfehle ich Suzy Welchs Konzept „10–10–10: 10 Minuten, 10 Monate, 10 Jahre“.
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Die Idee ist so einfach wie genial: Wie fühlt sich meine Entscheidung in 10 Minuten an? In 10 Monaten? In 10 Jahren? So wird schnell klar, wie leicht wir aus Angst vor zehn schweren Minuten ganze Jahrzehnte unseres Lebens opfern.
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Auch Gerd Gigerenzers Buch „Bauchentscheidungen – Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition“zeigt, warum der Kopf bei großen Entscheidungen oft weniger zu melden hat, als wir glauben.
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Diese Konzepte empfehle ich allen, die beruflich viel entscheiden. Und allen, die ein gutes Leben führen wollen.
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Leite den Text gerne weiter an jemanden, der vielleicht gerade jetzt diesen Impuls braucht.
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