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Kann ich eine Geschäftsfreundin haben?

Reflexionen & Impulse Nr. 4 | April 2026

Ein großes Unternehmen in Frankfurt, bekannter Name. Ich treffe mich mit einem Bereichsleiter in der Cafeteria. In seinen ersten Monaten im Unternehmen habe ich ihn als Coach begleitet. Seitdem sind wir uns immer wieder in Klausuren begegnet, die ich moderiert habe.

Heute möchte er meine Einschätzung zu einer neu besetzten Top-Management-Position hören. Wir holen uns zwei Cappuccino und suchen uns einen Tisch außerhalb der Hörweite anderer.

„Wie lange kennen wir uns eigentlich schon?“, fragt er.

Ein paar Jahre. Ein paar Jahre Nähe und Vertrauen.

Jemanden zu coachen ist etwas sehr Persönliches – jedenfalls dann, wenn ich der Coach bin. Zwischen Coach und Coachee entsteht automatisch eine Dysbalance: Ich kenne meine Klienten sehr gut. Manchmal werden mit mir Themen besprochen, von denen nicht einmal die Partner wissen.

Ich bleibe professionell. Halte Abstand und konzentriere mich auf meine Klienten.
„Therapeutische Abstinenz“ nennt man das.

Wenn ich etwas aus meinem eigenen Leben erzähle, dann allenfalls als inspirierendes Storytelling oder im unverfänglichen Small Talk.

Doch irgendwann endet der Auftrag. Wenn Sympathie da ist, steht plötzlich etwas Neues im Raum: die Möglichkeit, in Verbindung zu bleiben.

Männer haben dafür ein Wort.

Geschäftsfreunde.

Das klingt stabil. Klar. Unverdächtig.

Aber was passiert, wenn eine Frau ins Spiel kommt?

Geschäftsfreundin.

Schon das Wort lässt einen gedanklich stolpern.

Zu nah? Zu privat? Zu missverständlich? Oder zu ehrlich?

Sollten wir es normalisieren? Oder lieber ein anderes Wort erfinden?
Und wenn ja – welches?

Meine männlichen Kollegen gehen zusammen ins Stadion.
Sitzen in der VIP-Lounge.
Trinken Bier.
Lachen.
Netzwerken.

Mich hat noch nie jemand gefragt – obwohl ich nicht abgeneigt wäre.
Hauptsache VIP-Lounge. Klar, oder?

Der Cappuccino ist ausgetrunken, meine Einschätzung ausgesprochen.

Was bleibt? Wie kann es weitergehen, wenn eine Geschäftspartnerschaft zwischen einem Mann und einer Frau besteht? Wir sind ja nicht nur Arbeitskräfte, sondern Menschen, also biologische Wesen.

Und hier wird es kompliziert.

Es gibt dieses unsichtbare Regelwerk – heute mehr denn je.

#metoo
Pass auf.
Nicht zu nah.
Nicht zu vertraut.
Nicht missverstanden werden.
Was denken die anderen?

Und schlimmer noch:
Was denken wir selbst?

Dünnes Eis.

Also lassen wir es.

Bleiben korrekt.
Professionell.
Sauber getrennt.

Und verpassen vielleicht genau das, was Zusammenarbeit lebendig macht.
Schade.

Und nein - da hilft mir auch der Feminismus nicht weiter.

Hast du einen Vorschlag?



Wenn dich dieser Gedanke nicht loslässt, leite den Text gern weiter. Vielleicht genau an die Person, mit der diese Frage gerade zwischen den Zeilen steht.

Und im nächsten Newsletter gibt es Neues vom Leuchtturm. Stay tuned.

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